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Brauchtum Dezember

  • Sonntag, den 13. November 2011 um 00:59 Uhr

Brauchtum im Dezember

Weihnachten verstehen

Reise in die Geschichte der Advents- und Weihnachtssymbole

 

Jahrzehntelang war es den Russlanddeutschen in der ehemaligen Sowjetunion untersagt Weihnachten öffentlich zu begehen. Aber in vielen Familien wurde das Fest, für die Deutschen damals ein Stück Identität, trotz aller Verbote heimlich gefeiert. So konnten Bruchstücke des Brauchtums, das die Vorfahren aus deutschen Landen mitgebracht hatten, auch für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben und in den letzten zehn Jahren öffentlich gepflegt werden.

In Deutschland hat Weihnachten jahrhundertelange Tradition. Unser heutiges Weihnachtsfest fußt in vielen Bereichen auf ehemaligen heidnischen Bräuchen. Legenden und Wahrheit, Traum und Realität, im Laufe der Kulturgeschichte zu einem faszinierenden Ganzen verwoben, schufen ein Brauchtum, das nach wie vor eine Quelle der Hoffnung und des Lebensmutes bleibt. Der liebliche Hauch von Honig und Nüssen, Äpfeln und Zimt, herrliche, sinnesbetörende Gerüche der leckeren Plätzchenbäckerei sind für uns untrennbar mit der geheimnisvollen Zeit des Wartens auf Christi Geburt verbunden. Um die Weihnachtszeit auch zu verstehen muss man schon einiges wissen. Reisen Sie mit uns in die Geschichte der Advents- und Weihnachtssymbole!

Advent

Advent – Zeit der Erwartung

Ankunft heißt auf lateinisch adventus, daher kommt der Name Advent. Mit dem ersten Advent beginnt das Kirchenjahr. Ist es doch die in den christlichen Kirchen in den Wochen nach den vier Adventssonntagen vor Weihnachten festlich begangene Zeit der Vorbereitung und Erwartung der Ankunft Christi in der Welt. Westliches Kennzeichen dieser weihnachtlichen Vorbereitungszeit sind mancherlei, teilweise noch auf germanische Glaubensvorstellungen zurückzuführende volkstümliche Bräuche. Besonders weit verbreitet ist die Sitte der Adventskalender, -kränze, -lieder und - sänge, im bayrisch-alemannischen Raum sind es mancherlei Maskenumzüge. Schon im 6. Jahrhundert nach Christi Geburt wurde von Papst Gregor dem Großen die Adventsliturgie in ihren Grundzügen festgelegt. Die vier Wochen sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten musste. Durch Übernahme gallischen Brauchtums war die Adventszeit zur Buß- und Fastenzeit, aber auch zur Zeit des Erinnerns, des Erwartens und der Vorfreude geworden.

Adventskalender Der Adventskalender ist ursprünglich dafür gedacht, insbesondere Kinder auf das Weihnachtsfest hinzuführen. Während die Motive des Bildhintergrundes und die Herstellungsweise wechseln, bleibt die Anzahl der Kästchen, hinter deren aufklappbaren Türchen sich Bilder oder kleine Überraschungen verbergen, mit 24 konstant. Dies entspricht den Tagen vom 1. Dezember bis Heilig Abend. Gerhard Lang druckte 1903 in München den ersten Adventskalender. Innerhalb weniger Jahre wurden dann solche Kalender populär. Nach 1920 fand er auch international Anerkennung. Von Beginn an war der Adventskalender als Handelsartikel entworfen und kommerziell genutzt.


Adventskranz Schon aus der Antike kennen wir den Kranz als Siegeszeichen. Symbol für den keineswegs aussichtslosen Kampf des christlichen Menschen gegen das Dunkle des Lebens soll auch der mit vier Kerzen geschmückte Adventskranz sein. Diese schöne Sitte ist übrigens ein sehr junger vorweihnachtlicher Brauch , der noch zu Beginn unseres des 20. Jahrhunderts in vielen deutschen Familien unbekannt und keineswegs der Vorläufer des Weihnachtsbaums war. Geht man den Spuren der wenig mehr als hundertjährigen Geschichten des Adventskranzes nach, so stößt man auf den evangelischen Theologen Johann Wichern, 1833 in Hamburg das "Rauhe Haus" gründete. In dieser Anstalt brannten um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die ersten Adventsleuchter, vom 1. Advent an wurde jeden Tag ein Licht mehr angezündet An Weihnachten brannten alle 24 Kerzen.. Seit 1851 kommt dann der Schmuck mit Tannengrün hinzu. Allmählich hat sich die Sitte des Adventkranzes dann von Norddeutschland weiter verbreitet. Erst in den Jahren nach dem 1. den Weltkrieg hat die Jugendbewegung dem Adventskranz zu seiner heutigen Verbreitung verholfen.

 

Barbaratag

Am 4. Dezember ist der Tag der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, Baumeister und Artilleristen. Barbara war die christliche Tochter eines heidnischen Vaters, der sie, aus Zorn über ihren neuen Glauben, eigenhändig enthauptete. An ihrem Gedenktag holt man Zweige vom Kirschbaum oder von der Weichsel ins Haus, legt sie über Nacht in lauwarmes Wasser und stellt sie dann in eine Vase mit Wasser. In der Wärme des Hauses schwellen und treiben die Knospen, besonders wenn jeden dritten Tag das Wasser gewechselt wird. Weihnachten brechen dann am Barbarazweig die Blüten hervor. Das bedeutet dann Glück für das folgende Jahr.

 

Nikolaus

Alle Kinder freuen sich auf den Nikolaustag am 6. Dezember. Warum wir  diesen Tag feierlich begehen, weiß eigentlich niemand so genau. Eine Legende besagt, dass der Nikolaustag auf einen Heiligen dieses Namens zurückgeht, der am 6. Dezember 345 verstarb. Der Heilige Nikolaus, Bischof von Myra, wurde wegen seiner vielen Wunder und wegen seiner Freigebigkeit verehrt und geliebt. Er soll unter anderem Schiffe aus der Seenot gerettet und ermordete Knaben zum Leben erweckt haben. Länder und große Städte stellten sich unter seinen Schutz, zahllose Legenden über ihn und seine Wundertaten breiteten sich aus, er wurde zum Volkstümlichsten unter den Heiligen. Zwei Jahrhunderte später lebte ebenfalls in Kleinasien ein zweiter historischer Nikolaus, der Bischof von Pinara, der auch sehr berühmt wurde. Mit der Zeit verschmolzen beide Nikolausgestalten in der Vorstellung der Menschen. Das ist der Ursprung von „unserem“ Nikolaus, der sich im Mittelalter zu der Gestalt wandelte, die den Kindern Süßigkeiten bringt. Dieser als volkstümlicher Heiliger verehrter Schutzpatron der Kaufleute, Bäcker, Schiffer und Schulkinder wird in der Kunst häufig als Bischof mit Mitra und Krummstab, aber auch mit Broten, Äpfeln und anderen Geschenken dargestellt. An diese Verehrung knüpft der Brauch, vor allem die Kinder am 6. Dezember, dem Nikolaustag, oder am Abend vorher zu beschenken. Zumeist war sein Begleiter Knecht Ruprecht, der die Spitzbuben mit der Rute bestrafte. Aber heute kommt Nikolaus meist ohne ihn aus, da es nur noch brave Kinder gibt.

 

Knecht Ruprecht

Ursprünglich war der bärtige und vermummte Begleiter des heiligen Nikolaus, dessen Festtag am 6.12. vielerorts schon im Mittelalter als Beschertag für die Kinder begangen wurde. Auch als Ruprecht, Knecht Nikolaus, Nickel, Pelznickel, Pelzmäntel, Hans Muff, Hans Trab (Elsaß), oder Krampus wie in Österreich, zog er in pelzbesetzter Kleidung, meist mit einer Rute in der Hand und einem Sack voller Geschenke über der Schulter, von Tür zu Tür. Im Verlauf der Entwicklung des Brauchtums wurde der Knecht Ruprecht bisweilen dem Heiligen gleichgesetzt, dann aber vom Nikolaus getrennt und schließlich zu einem selbständigen Geschenkbringer, der den Kindern am Nikolausabend (5. 12.), Nikolaustag (6.12.) oder am Heiligabend als Weihnachtsmann oder Begleiter des Christkindes seine Gaben beschert.

Santa Claus

So heißt der Nikolaus der angelsächsischen Länder, der dort allerdings die Funktion des Weihnachtsmanns hat. Er kommt in der Nacht vom 24.auf den 25, Dezember durch den Schornstein und steckt den Kindern die Geschenke in die Strümpfe, die sie am Kamin aufgehängt haben. In den USA hat er sich zu einer regelrechten Kultfigur entwickelt. Santa Claus führt auch ein massenhaftes Doppellleben als Plastikfigur. Haus und Vorgarten in der Adventszeit weihnachtlich zu dekorieren und dabei nach Kräften die Nachbarn zu übertrumpfen ist nämlich amerikanischer Nationalsport. Das Haus wird mit Lichterketten konturiert, im Garten werden nicht nur geschmückte Weihnachtsbäume, sondern auch lebensgroße Santa-Claus-Figuren samt Rentier und Schlitten aufgestellt: Disney-Land ist überall

Krippe Die in vielfachen Varianten bekannte figürliche Darstellung des Weihnachtsgeschehens mit dem in der Krippe liegenden Jesuskind leitet sich ursprünglich vom geistlichen Schauspiel des Mittelalters her. Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt gab es Krippenspiele, die dann aber in Vergessenheit gerieten. Franz von Assisi war es, der am 24. Dezember 1223 in der Nähe von Rom eine Weihnachtsmesse las, bei der er als Symbol für die Geburt Christi wohl erstmals wieder ein Stall mit Holzfiguren aufbaute. Die Krippenkunst ist ein Kennzeichen vor allem des katholischen Weihnachtsfestes und wird durch künstlerisch oft wertvolle Figuren besonders Bayern, Tirol und Italien gepflegt.

 

Weihnachten – Heilige Nacht

Weihnachten „Ze den wihen nahten“ hieß auf Hochdeutsch „zu den Heiligen Nächten“. Welch ein Zauber geht von diesen Wörtern aus, mit dem wir den Heilig Abend, eingeleitete Fest der Geburt Christi bezeichnen. Der 25. Dezember, der Tag der Sonnenwende, war in vielen Kulturen ein besonders wichtiger Tag. In vielen Kulturen war dieser Tag ursprünglich mit der Geburt eines Gottes heidnischen Gottes verbunden. Die Germanen feierten im nord- deutschen Raum bis hinauf nach Skandinavien ihr Mittwinterfest oder Julfest, zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest. Um diese Feste ranken sich allerlei Geisterglauben, der sich in der Tradition, gerade in abgelegenen Gegenden z.B. in den Alpen, bis heute gehalten hat. Der Papst Hyppolit versuchte bereits um 217 all diese Kulte damit zu beseitigen, dass er das Fest der Geburt Christi auf diesen Tag, den 25. Dezember, verlegte. Das ist der Sinn von Weihnachten: Es ist der Geburtstag Christi, die Wintersonnenwende der Weltgeschichte, die uns in allen Auf- und Niedergängen der Geschichte die Gewissheit gibt, das die dunklen Mächte der Finsternis keine endgültige Macht besitzen. Durchsetzen konnte es aber erst Papst Liberius 354. Im 7. und 8. Jahrhundert setzte sich der Brauch, das Fest am 25. Dezember zu feiern auch in Deutschland durch. Die Mainzer Synode erklärt 813 diesen Tag offiziell zum "festum nativitas Christi" . Mit ihm begann damals das Kalenderjahr. Der erste Januar wurde erst ca. 800 Jahre später mit Einführung des Gregorianischen Kalenders zum Jahresbeginn. Im Verlaufe der Christianisierung der Menschheit hat das Weihnachtsfest dann seine heutige weltweite Verbreitung gefunden. Der christliche Weihnachtsfestkreis beginnt mit dem vierwöchigen Vorbereitungszeit des Advents und reicht in den katholischen Bereichen bis zum 6. Januar (Dreikönig). Die Griechische - Orthodox feiern die Geburt Jesu erst am 6. Januar, die Armenier am 18./19. Januar.

 

Stern von Bethlehem

„Als Jesus ... geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“(Matthäus 2,1). Dieser plötzlich auftauchende Stern wird naturwissenschaftlich meist als Komet gedeutet, und so wird er seit Jahrhunderten auch dargestellt.

Weihnachtsgeschenke Sie haben ihre christliche Wurzel in dem Bibelwort 'Also hat Gott die Welt geliebt', in seinem Erlösungsgeschenk an uns in Gestalt seines eingeborenen Sohnes. Ein Geschenk, das durch nichts übertroffen werden kann, nur durch den Versuch, ihm so gut wie möglich nachzufolgen. Die Weihnachtsgeschenke sind jedoch auch eine Erinnerung an die Gaben, die die Heiligen Drei Könige dem Jesukind darbrachten. Beides soll in der Liebe weiterleben, mit der Weihnachtsgeschenke ausgetauscht werden, was schon darauf hinweist, dass es nicht um irdische Geschenke geht, sondern um Sinnbilder für die Gottes- und Nächstenliebe, die wichtiger ist als die kostbarsten Sachen. Schließlich war es Sitte, die Kinder zu beschenken, vor allem auf Martin und Nikolaus. Man  hängte man die Geschenke in kleinen Päckchen ganz hoch in den Baum, so dass sie die Kinder nicht vorzeitig erreichen konnten. Der Weihnachtsmann ist die unbestrittene Hauptfigur der weihnachtlichen Kinderbescherung. Kulturgeschichte ist der Weihnachtsmann aus der Gestalt des Knecht Ruprechts abzuleiten.

Weihnachts-  oder Christbaum

Das beliebteste Symbol zur Weihnachtszeit ist der Christbaum. Erstaunlich daran ist, dass es ihn noch gar nicht so lange gibt. Der Christbaum, wie wir ihn kennen, ist noch keine 400 Jahre alt. Den Brauch jedoch, die düstere Winterzeit mit grünen Pflanzen als Hoffnung auf neues Leben und Kerzen als Hoffnung auf neues Licht zu schmücken, gab es schon immer. Die Lebenskraft, die in wintergrünen Gewächsen steckte, wurde als Heilkraft gedeutet. So glaubte man sich Gesundheit ins Haus zu holen, wenn man dieses zu Neujahr mit Grünem schmückte. Schon die Römer bekränzten ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeerzweigen. Das mittelalterliche Deutschland brachte je nach Landschaft Eibe, Stechpalme, Wacholder, Mistel, Buchs, Tanne und Fichte ins Haus. Die Sitte, grüne Tannenzweige (Weihnachtsmaien") ins Haus zu stellen, wird sogar schon für 1494 im "Narrenschiff" Sebastian Brants bezeugt. Den ersten mit Lichtern und Sternen geschmückten Tannenbaum zeigt ein Kupferstich aus dem Jahre 1509 von Lucas Cranach dem Älteren. Um diese Zeit berichtet der Chronist Sebastian Brant von Tannenbäumen, die um die Weihnachtszeit im Elsaß aufgestellt wurden. 1605 soll es bereits einen mit Äpfeln geschmückten, aber noch kerzenlosen Weihnachtsbaum in Straßburg gegeben haben. Es soll 1611 in Schlesien der erste kerzengeschmückte Tannenbaum im Schloss der Herzogin Dorothea Sybille von Schlesien gestanden haben. Goethe lernte den Weihnachtsbaum in Straßburg 1770 kennen, und in Berlin soll der erste Weihnachtsbaum um 1780 aufgetaucht sein. In Berlin stand 1780 der erste Weihnachtsbaum. Etwa ab 1800 ist der Christbaum in gehobenen Züricher Familien zu finden. Heute ist der Weihnachtsbaum in fast allen Häusern und Kirchen üblich. In die Neue Welt kam der Weihnachtsbaum gewissermaßen im Reisegepäck deutscher Auswanderer, und 1891 wurde erstmals ein Lichterbaum vor dem Weißen Haus, dem Amtssitz des Präsidenten der USA, in Washington aufgestellt.

 

Weihnachtsbäckerei

Bereits die Hirten in der Heiligen Nacht gelten der Legende nach als „Erfinder“ des köstlichen Gebäcks. Das kunstvolle Backwerk ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil des weihnachtlichen Brauchtums. In Zeiten, als Zucker noch als Delikatesse aus Übersee gehandelt und exotisches Gewürz in Apotheken grammweise als Medizin verkauft wurde, war Gebäck etwas Besonderes. Als Gabe unterm Weihnachtsbaum liebten es nicht nur die Kinder. Das kunstvoll gefertigte Naschwerk diente als Baumschmuck. Auch heute wird im Advent in ganz Deutschland gebacken. Je nach Landschaft entstehen Stollen, Printen, Striezel, Schnittchen, Hutzel, Kletzenbrot oder Brunnwecken. Die Aachener Printen sind beispielsweise so berühmt, dass man ihnen sogar ein Denkmal gesetzt hat.

In unseren Tagen ist der Weihnachtsstollen am bekanntesten und beliebtesten. Weiß eingestäubt soll er an das in Tüchern gehüllte Christkind erinnern. Der Christstollen stammt aus Sachsen. Im 14. Jahrhundert verlieh der Bischof von Naumburg, offenbar ein Feinschmecker, den Bäckern der Stadt ein Zunftprivileg. Dafür mussten sie ihm und seinen Nachfolgern jährlich zwei Weihnachtsstollen liefern. Bald breitete sich der Ruf des Dresdner Christstollens über das ganze Land aus, er gilt heute noch als der beste.

Lebkuchen, auch Lebzelten, Pfeffer- oder Honigkuchen genannt, rund oder rechteckig, mit Glasur oder ohne, gehören ebenfalls zu den weitverbreiteten vorweihnachtlichen Dauerbackwaren. Der Name hat nichts mit „Leben“ zu tun, vielmehr könnte der Stamm „Leb“ vom lateinischen „libum“, Fladen, abgeleitet werden. Der älteste bekannte „Lebkuchen“ wurde gegen 1500 v. u. Z. in Ägypten gebacken – ein mit Honig gesüßtes Fladenbrot. Mit den Mönchen verbreitete sich das mit Honig und später mit verschiedenen Gewürzen aromatisiertes Fladenbrot über die Alpen. Nürnberg, im Mittelalter ein bedeutender Umschlagplatz für Waren aus dem Nahen und Fernen Osten, entwickelte sich zu einem Zentrum der Lebkuchenherstellung. In einer Urkunde von 1395 ist der erste Lebküchner für die freie Reichsstadt belegt. Auch heute werden von den rund 80 000 Tonnen Lebkuchen, die jährlich von deutschen Backstraßen purzeln, rund 40 Prozent in Nürnberg hergestellt.

 

Gänsebraten

"Eene jut jebratene Jans is ne jute Jabe Jottes", so heißt es in einem alten Berliner Spruch. Quer durch alle deutschen Landschaften ist die Gans nach wie vor der schon fast Weihnachtsvogel. Der knusprige Gänsebraten gehört zum Weihnachtsfest wie das Tannengrün und die Kerzen, ohne hier eigentlich seine Herkunft zu haben. Aus England, wo heute der Puter als Festbraten gilt, ist die Weihnachtsgans zu uns gekommen. Gewissermaßen die Geburtsstunde der Weihnachtsgans schlug am Heiligabend des Jahres 1588 am Hofe der Königin Elisabeth 1. Es gab zufällig Gänsebraten, als ihr die Nachricht von der Zerstörung der spanischen Armada. Zur Erinnerung daran galt die Gans fortan als Festbraten.

 

Rauschgoldengel Wer sieht in ihm nicht eine Nachbildung des weihnachtlichen Verkündigungsengel? Mit Gold hat er allerdings nur den leuchtenden Schein gemeinsam. Das als Unterlage von Brautkronen, Bauernhauben usw. verwendete, beim Anfassen knitternde Flitter - oder Rauschgold ist materiell betrachtet ein dünner Belag aus Messingblech. Die Heimat des Rauschgoldengels ist Nürnberg. Der angesehene Puppenmacher Balthasar Hauser aus der Lebkuchenstadt soll in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege erstmalig eine solche Figur gestaltet haben, zur Erinnerung an seine verstorbene Tochter Anna, dessen Gesichtszüge der ersten Rauschgoldengel, das "goldene Annalein" trug.

 

Sternsinger Seit Ende des 16. Jahrhunderts hat sich besonders in den Niederlanden und Belgien, aber auch in Deutschland ein Brauch eingebürgert, der sich bis heute erhalten hat. Verkleidete Männer oder Knaben zogen als Dreikönige oder auch als Gefolgsleute eines vorausgetragenen großen Sterns von Haus zu Haus. Sie trugen weiße Hemden, waren als Könige ver- kleidet oder hatten ortsabhängig bestimmte Kostüme an. Die Sternsinger erzählten von der Geburt Christi, der Anbetung in Bethlehem und von Herodes und seinem Ende. Anschließend baten sie um Gaben wie Kuchen, Nüsse oder Geld. Dieser zuerst sehr ernsthaft geübte Brauch drohte streckenweise ins Komische umzuschlagen. So wurden im 18. Jahrhundert oft Schelmenlieder in Psalmenform vorgetragen. Gegen Ende des 19 Jahrhunderts kam das Sternsingen nahezu in Vergessenheit. Erst in unserem Jahrhundert ist man bemüht, diesen Brauch wieder aufleben zu lassen. In den Niederlanden ist aus dem ursprünglichen Sternsingen ein Kinderfest geworden. Die Kleinen ziehen dabei mit Lampions durch die Straßen.

 

Aus der Geschichte der Weihnachtslieder

Stille Nacht, heilige Nacht

In der ganzen Welt kennt man dieses für viele Menschen schönste Weihnachtslied, das um die Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Siegeszug über die Grenzen des Ursprungslandes Österreich antrat. Im Unterschied zu vielen älteren Weihnachtsliedern sind hier Dichter und Komponist bekannt. Den Text schrieb der katholische Pfarrer Joseph Mohr aus Oberndorf  bei Salzburg und die Noten der Lehrer Franz Xaver Gruber aus dem Nachbarort Arnsdorf. Aus dieser Verbindung entstand das vielleicht innigste Weihnachtslied, das zur Christmette des Jahres 1818, zweistimmig zur Gitarre gesungen, in der Dorfkirche von Oberndorf seine Welturaufführung erlebte und die anwesenden einfachen Menschen sofort in seinen Bann schlug. Im Jahre 1838 wurde das Lied von einem Zillerthaler Quartett nach Leipzig gebracht und fand 1843 Aufnahme in Gebhardts "Musikalischen Hausfreund".

Vom Himmel hoch da komm ich her Heiligabend 1535. Kurz nach Mitternacht. Es scheint, als rücken die Häuser von Wittenberg in der Dunkelheit näher zusammen. Nur in der Studierstube des Doktor Martin Luther brennt noch eine Kerze. Luther schreibt seine Weihnachtspredigt nieder. Dann lehnt er sich zurück und liest in einem handgeschriebenen Buch. Er liest die Verse: "Ich komm aus fremden Landen her und bringt auch viel der neuen Mär (=Nachricht) ... er liest sie einmal, zweimal. Dann steckt er noch eine zweite Kerze an, rückt das Tintenfass näher zu sich heran, nimmt den Federkiel und schreibt Zeile um Zeile. Als er fertig ist, hat er den gelesenen Versen einen anderen, einen weihnachtlichen Sinn gegeben: "Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bringt euch gute, neue Mär; der guten Mär bringt ich so viel, davon ich singen und sagen will. Zwei Jahrhunderte später liest Johann Sebastian Bach die Verse und dichtet die Melodie dazu.

O du fröhliche                                                                                                                                                               Die Kriege unter Napoleon hatten viel Leid und große Not über die Menschen gebracht. Auch in Weimar. Die Einwohner trauerten um ihre Verstorbenen, sie froren in den kauen Wintern und hatten wenig Hoffnung. Johannes Falk, Sohn eines Danziger Perückenmachers, wollte helfen. Er gründete die "Gesellschaft Freunde in der Not" und die "Falkschen Anstalten." Das aber war ihm nicht genug. Ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen, ist notwendig, aber die Menschen brauchten auch Trost. Am Heiligen Abend des Jahres 1806 an einem Abend voller trauriger Erinnerungen, summte Johannes Falk die Melodie eines alten Seemannsliedes aus Sizilien. Er hatte schon wiederholt seinen berühmten Freund Goethe gebeten, zu dieser Melodie einen neuen Text zu dichten. Jetzt versuchte er es selbst: "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. Welt ging verloren, Christ ward geboren, freue, o freue dich, o Christenheit!"

O Tannenbaum, O Tannenbaum                                                                                                                                     Zum unveräußerlichen Schatz deutscher Weihnachtlieder gehört auch diese Weise. Sie geht zurück auf ein schlesisches Volkslied des 16. Jahrhunderts, das zwar mit dem Tannenbaum, aber nichts mit dem christlichen Weihnachtsfest zu tun hatte. Erst 1820 entstand daraus das uns heute bekannte Lied, dessen erste Strophe August Zarnack dichtete. Im Jahre 1824 schuf der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz auch die zweite und dritte Strophe.

Weihnachtstypische Gerichte

 

Klausenmann

Wenn die Kinder Süddeutschlands am Morgen des Nikolaustages die vor die Tür gestellten und inzwischen gefüllten Schuhe oder Strümpfe in Augenschein nehmen, dann darf der Klausenmann nicht fehlen. Er stellt eine aus Brotteig gebackene Nachbildung des Nikolaus dar, ist also ein Verwandter des norddeutschen Stutenkerls.

 

Bretzel oder Brezel

Es war einmal ein Mönch in dem südfranzösischen Kloster. Bei der Brotzubereitung waren kleine Teigstreifen übrig geblieben, aus denen er die Form von Kinderarmen bildete, deren Hände zum Gebet gefaltet waren. So wird aus dem Jahre 610 über die Entstehung der ersten Brezeln berichtet, und die Geschichte ist so nett, dass man sie glauben sollte. In der Biedermeierzeit, vor rund 1050 Jahren also, ist er wohl entstanden. Gefüllt mit Leb- und Pfefferkuchen, Nüssen, Marzipan, blank polierten Äpfeln und anderen Leckereien, stand der bunte Teller ursprünglich im Mittelpunkt der Kinderbescherung. Dazu gab es vielleicht noch eine Puppe, den Hampelmann, etwas Handgestricktes oder ein paar Zinnsoldaten. Heute steht er meist ein wenig im Hintergrund oder am Rande der Flut mehr oder weniger nützlicher und kostspieliger Geschenke.

 

Christfesttaler

Begehrte Festgeschenke vor allem im 17. Jahrhundert waren diese Münzen und Medaillen, deren Prägung auf die Geburt Christi hinwies.

Betmännchen

Man nehme Teig aus Marzipan, forme daraus kleine Kugeln, etwa in der Größe einer Daumenspitze, bestreiche sie mit Wasser und drücke an jede drei halbe (geschälte) Mandeln bis sie kleben bleiben, lasse die Formen über Nacht trocknen, dann kurz backen, und fertig sind die goldgelben Betmännchen.

 

Kipfel oder Kipferl

So heißen in Österreich und Süddeutschland - Gipfeli in der Schweiz - die Hörnchen, ein mondsichelartig geformtes Gebäck aus Mürb- oder Semmelteig. Besonders lecker und bekannt sind die Vanille-Kipferl.

 

Kletzenbrot

Am Vorabend des Thomastages soll das Kletzenbrot gebacken werden. Getrocknete Birnenschnitze = Kletzen sind der Hauptbestandteil dieses süddeutsch-österreichischen Weihnachtsgebäck, einer Variante des Hutzenbrotes.

 

Hutzelbrot, Hutzenmännchen

Getrocknete Birnenschnitze sind die Hutzeln oder Hutzen, in Tirol auch Kletzen genannt, denen Eduard Mörike seine Geschichte vom „Stuttgarter Hutzelmännchen“ widmete. Aus Hutzeln, Rosinen, Gewürz und Hefeteig lassen sich Hutzelbrote oder Hutzelwecken backen, aber auch die beliebten Männlein basteln.

 

Nougat oder Nugat

Zu den weihnachtlichen Leckereinen gehört auch Nougat in dieser oder jener Form, eine mit Eiweiß gebundene, fast wasserfreie Konfektmasse, die auf jeden Fall 50 Prozent Zucker enthält. Die andere Hälfte besteht beim Nussnougat aus gerösteten Nüssen, beim Mandelnougat aus Mandeln. Kakaozusatz kann sein, muss aber nicht.

 

Orangenat

Herstellung und Verwendung dieses weihnachtlichen Backgewürzes entsprechend der des Zitronats. Es handelt sich um kandierte, von der inneren weißen Haut befreite Schale der bitteren Apfelsine oder Pomeranze, die man sich durch Einzuckern würfelig geschnittener Orangenschalen auch selber herstellt.

 

Nüsse

Ohne Nüsse lassen sich weder die bunten Teller noch die Weihnachtsbäckerei denken, was sich auch darin zeigt, dass ihr Absatz außerhalb der Weihnachtszeit nur gering ist. Die besten Walnüsse liefert uns Frankreich, Haselnüsse kommen vor allem aus Italien, Griechenland, Spanien und der Türkei in den Handel, aus Brasilien kommt die dreikantige Paranuss. Welche Nuss es auch sei, eines haben alle gemeinsam, nämlich die harte Schale und einen süßen Kern, worin sich ein Symbol für das Leben sehen lässt: Gott hat es gegeben, aber erschließen muss es sich jeder selbst. Wohl dem, der den richtigen Nussknacker zur Hand hat!

 

Lebkuchen

Die Lebkuchen wurden ursprünglich als Heil- und Arzneimittel verteilt. In vielen Gebäcken werden auch Nüsse und Mandeln zum Zeichen für Tod und Auferstehung (Schale und Kern) verbacken. Zwei Arten von Lebkuchen lassen sich grundsätzlich unterscheiden: die so genannten "braunen" Lebkuchen, das sind alle nicht auf Oblaten gebackenen Lebkuchen und anderes Kleingebäck, und die auf Oblaten gebackenen Lebkuchen, wegen ihres Gehaltes an Pfeffer und anderen Gewürzen wurden die Lebkuchen auch „Pfefferkuchen“ bezeichnet.

 

Springerle

Diesen lustigen Namen trägt das verbreitetste schwäbische Weihnachtsgebäck. Es hängt wohl damit zusammen, dass der Teig beim Backen fast um die Hälfte in die Höhe aufgeht (=springt). Andere Erklärungen wollen eine Beziehung zu Wotan, dem reitenden Germanengott, herstellen. Gebacken werden die Springerle in kunstvoll geschnitzten Holzformen, die in den Familien von Generation zu Generation überliefert werden. Weiß müssen „Füßle“ und  „Köpfle“ der Springerle sein, wenn sie gut gebraten sind, zart und mürbe wer- den sie erst nach einer kühlen, aber nicht zu trockenen Lagerung von mindestens vier Wochen.

 

Spekulatius Dem Beinamen „speculator“ des heiligen Nikolaus, der lateinischen Bezeichnung für Bischof (=Aufseher), verdankt dieses Butter-Mandel-Kleingebäck aus würzigem Mürbeteig seinen Namen. Holland und Rheinland gelten als Heimat. Es wird in mannigfachen Relief- formen ausgestochen, die Bilder aus der Nikolausgeschichte darstellen sollen und ursprünglich zu Ehren jenes Bischofs für den 6. Dezember gebacken wurde.

Lebzelt, Lebzelten, Lebzelter

Mit Camping haben diese Worte nicht zu tun, wohl aber mit Honigkuchen, die vor allem im österreichischen Raum oft so bezeichnet werden. „Leb-“ ist sprachlich mit Laib verwandt und soll „Gebackenes“ bezeichnen, „zelte(n)“ kommt vom altdeutschen „zelto“ für einen „flachen Kuchen“; andere Erklärungen wollen „Leb-“ auch vom mittelalterlichen „libum“ für „Faden“ ableiten. So sind Lebzelten eben Leb-, Lebküchner oder auch Pfefferküchler deren Bäcker.

Pfefferkuchen

Aus den morgenländischen „Pfefferländern“ kamen im Mittelalter die Gewürze, und so kam das aus Mehl, Honig und verschiedenen Gewürzen bestehende Weihnachtsgebäck zu diesem Namen.

Zimt, Zimtsterne

Unter Zimt, Kaneel oder Caneel versteht man die von der äußeren Borke befreite und dann getrocknete Rinde der jungen Stämme und Zweige des mit Lorbeer verwandten tropischen Zimtbaumes. In der weihnachtlichen Backstube begegnet uns dieses Gewürz vor allem in den köstlichen Zimtsternen.

Pfeffernüsse

Der nussähnlichen Form in Gestalt kleiner runder Plätzchen verdankt dieses aus Pfefferkuchenteig hergestellte weihnachtliche Kleingebäck seinen Namen.

Pflastersteine

Auf kaum einem bunten Weihnachtsteller fehlen diese kleinen runden, dick mit weißem Zuckerguss überzogenen Honigkuchen in der Form roh behauener Pflastersteine. Sie sollen uns daran erinnern, dass der heilige Stephan einst als erster Märtyrer zu Tode gesteinigt wurde. Seinem Gedenken gilt auch der 26. Dezember als Stephanstag.

Stolle oder Stollen

Unter welchen Namen auch immer, auf keinem fehlt wohl dieses Weihnachtsgebäck. Ihre Form soll uns heute noch an die beim Bethlehem'schen Kindermord umgekommenen, in Tüchern gewickelten Kindern erinnern. Das erklärt den mittelalterlichen Brauch, die Christstollen nicht vor dem 28.12., dem Tag der unschuldigen Kinder, anzuschneiden.

(Nach „Lexikon der Bräuche und Feste“)


Weihnachten in Zahlen

68 Milliarden Euro investierten die Deutschen im vergangenen Jahr für die Weihnachtsgeschenke. 74 Prozent der Deutschen hassen den Einkaufsrummel. Ein Drittel der Europäer entgeht ihm und geht online shoppen. 48 Prozent aller im Internet bestellten Waren sind Bücher. 46 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren wünschen sich Ideelles wie Familienliebe und gute Freunde. Deutschlands Senioren, die über 500 Milliarden Euro verfügen, liegen im Fadenkreuz der Weihnachtsindustrie. Viele von ihnen leisten sich zu Weihnachten eine Kreuzfahrt. 117.000 Tonnen Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck vertilgen die Deutschen zum Jahresende, 1,3 Kilogramm pro Person. Sie verputzen 16.000 Tonnen Schokolade und 30.000 Tonnen Gänsefleisch. 2006 kauften die Deutschen 28 Millionen Christbäume für circa 22 Euro pro Stück. Ein Tannenbaum wurde erstmals 1419 aufgestellt. Freiburger Bäcker behängten ihn mit Naschwerk. 77 Millionen Euro wenden Deutschlands Haushalte für die Weihnachtsbeleuchtung auf. Die 409 Millionen Kilowattstunden würden ausreichen, 140.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. 280.000 Wunschzettel erreichen das Weihnachtspostamt Himmelspfort.

Nach P.M. (www.weihnachten.de)

 

Zusammenfassung: Nina Paulsen

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