Schweinfurt - Bemühen um Integration
Verdienstmedaille des Bundes für Wolgadeutschen Gottlieb Eirich
Für Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé war es durchaus ein besonderer Moment, handelte es sich doch um die bislang höchste Auszeichnung, die er in seiner gut anderthalbjährigen Amtszeit einem Mitbürger übergeben durfte. Auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten und vergeben durch Bundespräsident Christian Wulff erhielt der 86jährige Gottlieb Eirich für sein „Bemühen um die Integration der Russlanddeutschen“ die Verdienstmedaille des Verdienstordens. Hierbei handelt es sich um die erste Stufe der insgesamt neunstufigen Ehrenordnung des Bundes, die im Volksmund unter dem Oberbegriff „Bundesverdienstkreuz“ bekannt ist.
Der 1925 in Schwed, dem heutigen Leninskoje, geborene Eirich hatte 1940 als jüngster Student ein Studium der deutschen Pädagogik an der Hochschule in Engels, der damaligen Hauptstadt der wolgadeutschen Republik aufgenommen. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde er jedoch unter Stalin nach Sibirien deportiert und führte ein mühevolles Leben, bis er erst 1993 nach Schweinfurt kam. Dort lebte er sich trotz später Ankunft schnell ein, wobei ihm seine ausgezeichneten Deutschkenntnisse halfen. Und er engagierte sich ehrenamtlich sechst Stunden pro Woche bei der Migrantenberatung im Übergangswohnheim.
„Es war immer mein Bestreben, gemeinsam mit meinen Landsleuten und den Behörden Probleme zu lösen“, berichtete der Senior anlässlich der Ordensverleihung. Nicht nur im Übergangswohnheim war er bald unentbehrlich, sondern auch im Café Kontakt des Evangelischen Frauenbundes am Deutschhof, wo er jeden Mittwoch eine zweistündige Migrantenberatung durchführte, die aufgrund der hohen Nachfrage fast immer den Zeitrahmen sprengte. IN diversen Buchveröffentlichungen erinnert Eirich überdies an das Leid der Russlanddeutschen, was OB Remelé als „verdienstvoll und wichtig“ befand, weil so das Geschichtsbewusstsein nachfolgender Generationen gestärkt würde.
Eirich zieht sich mit 86 zwar nicht vollends in den „ehrenamtlichen Ruhestand“ zurück, will aber die regelmäßigen Beratungen nicht mehr anbieten, sondern den Schicksalsgenossen nur noch in Einzelfällen „mit Rat und Tat zur Seite stehen“.
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