Musik und Tanz verbindet die Völker
MELLRICHSTADT
„Tag der Begegnung“ macht Laune: Russlanddeutsche und Einheimische lachen gemeinsam
Mit einem umfangreichen und vielfältigen Kulturprogramm ging am Sonntag mit einem „Tag der Begegnung“ in der Oskar-Herbig-Halle die Wanderausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ zu Ende. Zum letzten Mal hatte man dort die Möglichkeit, sich über die Geschichte der Russlanddeutschen von der Privilegierung unter Zarin Katharina II. bis zu den schwierigen Zeiten der Diskriminierung und Verfolgung im 20. Jahrhundert zu informieren. Im Vordergrund standen am Sonntag jedoch die Tradition und die Kultur der Aussiedler, und damit ein fröhliches Miteinander bei Gesang und Tanz.
Zum „Tag der Begegnung“ hatte die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LMDR) geladen, die während der vergangenen zwei Wochen mit ihrer Wanderausstellung in Mellrichstadt zu Gast war. Mit Unterstützung des Sängervereins Mellrichstadt, Jenny und Viktoria Rachmetow vom Martin-Pollich-Gymnasium sowie den von Aussiedlern ins Leben gerufenen Gruppen „Regenbogen“ aus Bad Neustadt und den „Crazy Dancers“ aus Brendlorenzen wurde ein bunter Nachmittag veranstaltet. In Gesang und Tanz wurde dabei die Tradition beider Seiten, sowohl von Einheimischen als auch von Russlanddeutschen, auf die Bühne gebracht. Jakob Fischer, Projektleiter der Wanderausstellung, moderierte die Veranstaltung und wusste zudem mit Gesangseinlagen von traditionellen Liedern der Deutschen aus Russland zu gefallen.
So begrüßte Fischer die zahlreichen Gäste in der Halle mit einem solchen Volkslied, ehe Bürgermeister Eberhard Streit sein Grußwort an die Gäste im Saal, darunter viele Mitbürger mit russlanddeutschen Wurzeln, richtete. Mit Blick auf die Ausstellung merkte er an, dass die erfolgreiche Wiederintegration zum größten Teil „dem Willen, dem Fleiß und dem Engagement der Aussiedler zu verdanken“ sei. Er freute sich, dass die Russlanddeutschen in Mellrichstadt „vollkommen integriert“ sind. „Sie bauen Häuser, gründen Familien und haben keine Probleme, sich mit ihren Nachbarn und in unserer Gesellschaft wohlzufühlen.“
Streits Dank galt der in Kasachstan geborenen und heute in Mellrichstadt lebenden Elvira Breier, die gemeinsam mit Olga Knaub aus Roth, Projektleiterin im Bereich Bayern-Nord von Projrkt „Angekommen und integriert in Bayern“, den Kontakt zur LMDR hergestellt und die Ausstellung nach Mellrichstadt gelotst hatte. Streit hoffte, dass die Idee der Ausstellung und des Begegnungstags konsequent fortgeführt wird und sich die russlanddeutsche Bevölkerung künftig noch mehr mit ihrer „reichhaltigen Kultur“ in Mellrichstadt, zum Beispiel beim Stadtfest, einbringt.
Höhepunkt des Nachmittags waren zweifelsohne die beeindruckenden Tänze der „Crazy
Dancers“. Die Gruppe, die am kommenden Samstag ihr zehnjähriges Bestehen feiert, ist in ganz Unterfranken bekannt. Leiterin Anna Hergert erklärte, dass in den Choreografien, die sowohl moderne Showtänze als auch klassische und internationale Tänze umfassen, die mitgebrachte Kultur mit modernen Tanzformen verknüpft wird. In herrlichen Kostümen stellten insgesamt 55 Tänzer in drei Gruppen ihr Können zur Schau.
Ebenfalls traditionsverbunden ist man bei der Sängergruppe „Regenbogen“ aus Bad Neustadt. Diese wurde vor acht Jahren von Aussiedlern ins Leben gerufen, um das Liedgut der Deutschen aus Russland zu pflegen, wie Betreuerin Maria Kaparulin sagte. Die Gruppe machte der heutigen Heimat Bad Neustadt eine Liebeserklärung. „Eine Stadt wie ein Herz“ lautet der Titel des Liedes, das zu typischen Klängen von der Wolga die Schönheiten der Saalestadt aufzählt. Die Sängerinnen traten allesamt in Tracht auf und zeigten auch einige traditionelle Tänze. Dabei wurde auch Bürgermeister Streit in die grundlegenden Schritte eines Volkstanzes eingewiesen.
Kasachische Wurzeln haben auch die beiden Schülerinnen des Martin-Pollich-Gymnasium, Jenny und Viktoria Rachmetow. Sie bewiesen ihre große Begabung am Klavier und verzauberten die Zuhörer mit Klängen von Chopin oder dem armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan.
Einen besonderen Einblick in die russlanddeutsche Folklore lieferte Irina Wellert. Sie präsentierte typische Trachtenkleidung, die aus mehreren Schichten besteht, und erzählte in ihrem ursprünglichen deutschen Dialekt eine fröhliche Geschichte. Gemeinsam mit Jakob Fischer präsentierte sie anschließend deutsche Lieder aus Russland, wie „Mein Schatz hat blaue Augen“, und das Publikum sang fröhlich mit.
Nach einigen kurzweiligen Stunden konnte so jeder ein positives Fazit ziehen. Musik und Fröhlichkeit sind eben am besten zur Völkerverständigung geeignet.
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